nachdenklich verzweifelte Frau

Ketamintherapie bei Zwangsstörungen – Neue Hoffnung bei therapieresistenten Verläufen?

Was sind Zwangsstörungen? Zwangsstörungen (Obsessive-Compulsive Disorder, OCD) gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Betroffene leiden unter wiederkehrenden, belastenden Gedanken (Zwängen) oder fühlen sich gezwungen, bestimmte Handlungen immer wieder auszuführen. Typische Beispiele sind: Kontrollzwänge Wasch- und Reinigungszwänge Ordnungszwänge Zwangsgedanken Wiederholtes Kontrollieren Viele Betroffene wissen, dass ihre Gedanken oder Handlungen übertrieben sind, können sie jedoch nur schwer unterdrücken.

Eva-Maria Goblirsch

Eva-Maria Goblirsch

Wie werden Zwangsstörungen behandelt?

Die Standardbehandlung besteht aus:

  • Kognitiver Verhaltenstherapie mit Exposition und Reaktionsmanagement
  • Medikamenten aus der Gruppe der SSRI

Viele Menschen profitieren davon. Allerdings sprechen nicht alle ausreichend auf diese Therapien an.

Warum wird Ketamin erforscht?

Anders als klassische Antidepressiva wirkt Ketamin hauptsächlich über das Glutamat-System.

Dieses spielt eine wichtige Rolle bei:

  • Lernprozessen
  • Gedächtnis
  • Neuroplastizität
  • Veränderung eingefahrener Denkmuster

Da Zwangsstörungen häufig mit starren Gedanken- und Handlungsmustern verbunden sind, untersuchen Forschende, ob Ketamin diese Muster vorübergehend auflockern und psychotherapeutische Prozesse erleichtern kann.

Was zeigen aktuelle Studien?

Erste kleine klinische Studien deuten darauf hin, dass Ketamin bei einigen Patientinnen und Patienten die Intensität von Zwangsgedanken kurzfristig reduzieren kann.

Die bisherigen Untersuchungen umfassen jedoch nur wenige Teilnehmende. Zudem ist noch unklar, welche Dosierung, Behandlungsdauer und Kombination mit Psychotherapie langfristig den größten Nutzen bringen.

Deshalb gilt Ketamin derzeit nicht als Standardtherapie für Zwangsstörungen.

Welche Rolle spielt Psychotherapie?

Die bisherigen Forschungsergebnisse sprechen dafür, Ketamin nicht isoliert einzusetzen.

Vielmehr könnte Ketamin ein Zeitfenster schaffen, in dem psychotherapeutische Interventionen besonders wirksam sind. Deshalb wird die Kombination mit Verhaltenstherapie derzeit intensiv untersucht.

Risiken

Wie jede medizinische Behandlung kann auch Ketamin Nebenwirkungen verursachen.

Vorübergehend können auftreten:

  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Blutdruckanstieg
  • Veränderungen der Wahrnehmung

Die Behandlung sollte ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Fazit

Die Forschung zur Ketamintherapie bei Zwangsstörungen entwickelt sich dynamisch. Erste Studien liefern interessante Hinweise darauf, dass Ketamin insbesondere bei therapieresistenten Verläufen eine unterstützende Rolle spielen könnte.

Derzeit reicht die Evidenz jedoch noch nicht aus, um Ketamin als Standardbehandlung zu empfehlen. Betroffene sollten sich deshalb ausschließlich in spezialisierten Zentren beraten und behandeln lassen.

Wissenschaftlicge Quellen

  1. Rodriguez CI et al. Randomized Controlled Crossover Trial of Ketamine in Obsessive-Compulsive Disorder. Neuropsychopharmacology. 2013.
  2. Bloch MH et al. Meta-analysis of pharmacological treatment of obsessive-compulsive disorder. Molecular Psychiatry. 2010.
  3. National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Obsessive-compulsive disorder and body dysmorphic disorder: treatment guideline.

Buche jetzt deine kostenlose Beratung

Finde heraus, wie Ketamintherapie dir helfen kann, und stelle uns deine Fragen.

App screenshot